Entwicklung einer standardisierten BIM-Modellierungsrichtlinie

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Zielsetzung und Projektaufbau

Im nachfolgenden Kapitel wird auf die Motivation für die Entwicklung und Bereitstellung einer standardisierten BIM-Modellierungsrichtlinie für Bauwerksdatenmodelle eingegangen (vgl. Kapitel 1.2); hierfür wird im Vorfeld der gelebte Status Quo beschrieben, auf dem das Projekt aufbaut (vgl. Kapitel 1.1). Anschließend wird auf die Projekt- und Arbeitsstruktur für die Entwicklung der Modellierungsrichtlinie eingegangen (vgl. Kapitel 1.3) sowie Fördermittelgeber und Praxispartner vorgestellt (s. Kapitel 1.4). Abschließend wird das vorliegende Projekt im Gesamtkontext der Forschungsbestrebungen und -arbeiten des BIM-Teams der Bergischen Universität Wuppertal (BUW) eingeordnet.

Ausgangssituation

Die Digitalisierung und die damit verbundene Entwicklung digitaler Technologien und Prozesse spielen eine immer zentraler werdende Rolle im notwendigen Wandel der Bauindustrie. Innovationen ermöglichen neue Funktionalitäten entlang der gesamten Wertschöpfungskette von der Projektentwicklung über die Planung, Realisierung und den Betrieb einer Immobilie bis hin zum Rückbau dieser. Building Information Modeling (BIM), das Management aller relevanten Informationen einer Immobilie in einem Bauwerksdatenmodell, rückt dabei in den Fokus dieses Wandels: Die Anwendung dieser Methode ermöglicht unter anderem ein konsistentes und einheitliches Informationsmanagement sowie die Schaffung einer transparenten und sauberen Kommunikations- und Kollaborationsbasis über sämtliche Lebenszyklusphasen der betrachteten Immobilie. In folge der wesentlichen Position, die das Bauwerksdatenmodell innerhalb der Methode BIM einnimmt, sind die
Anforderungen an ebendiese ein vor der Modellierung zu definierender Gegenstand. Dabei ist die Beschreibung von Koordinationsvorgaben für ein anforderungsgerechtes Zusammenführen von Fachmodellen zu einem Koordinationsmodell sowie weiterer grundlegender Modellierungsvorgaben nur ein Beispiel, das erfasst, dokumentiert und vereinbart werden muss.
Da diese Modellierungsanforderungen von Projekt zu Projekt in Bezug auf die Detaillierung und verwandte Aspekte individuell ausgeprägt sein können, der Modellierungsprozess per se aber innerhalb eines Unternehmens einen gewissen Standard verfolgt, sind einige Unternehmen hierfür intern dazu übergegangen, eigene Modellierungsrichtlinien zu entwickeln, welche diese Sachstände dokumentieren und für auszuführende Projekte zugrunde gelegt werden. Diese Modellierungsrichtlinien beschreiben in der Regel die entwickelte und gelebte Best Practice des jeweiligen Unternehmens und stellen in einigen Fällen gewachsene CAD-Anwendungsanleitungen dar. Neben Unterschieden beim inhaltlichen Fokus sind dabei auch variierende Detaillierungsgrade betreffend Projektorganisation, Modellstruktur und/oder Modellelementen bei den Institutionen zu beobachten. Hierdurch ergibt sich insgesamt ein heterogener Ansatz, auf dessen Grundlage die einzelnen Unternehmen arbeiten. Weiterhin werden diese Modellierungsrichtlinien zumeist als Unternehmensressource intern behalten, sodass keine über die eigenen Vertragspartner und Projekte hinausgehende Anwendung angedacht ist oder stattfindet. Infolge möglicher, proprietärer Prozesse für die Modellierung samt weitergehen der Rahmenbedingungen (genutzte Autorensoftware, nationaler oder internationaler Fokus der Arbeiten etc.) ergibt sich für den Fall einer öffentlich frei verfügbaren Unternehmensmodellierungsrichtlinie die Notwendigkeit der Adaption dieser an eigene Prozesse und Softwareumgebungen, welche sich in Aufwänden äußert und eine einfache Übernahme fremder Modellierungsrichtlinien in den eigenen Modellierungsworkflow erschwert.
Das notwendige Wissen, welches in einer solchen Richtlinie abgebildet würde, wird durch das bearbeitende Personal angewandt, akkumuliert, fortgepflegt und vermittelt, wodurch sich ein interner, nicht-dokumentierter Standard für die Erstellung von Bauwerksdatenmodellen entwickelt; ein möglicher Abgang dieses Personals stellt dabei in der Regel einen Wissens- und dementsprechend einen Ressourcenverlust dar. Für die Möglichkeit, solche Modellierungsrichtlinien intern zu entwickeln und fortzuschreiben, bedarf es in Unternehmen darüber hinaus Kapazitäten. Für kleine und mittlere Unternehmen können sich dahingehend Problematiken entwickeln, sodass der unmittelbare Bedarf eines solchen Dokumentes erkannt wird, die Umsetzung, eine eigene Modellierungsrichtlinie zu erstellen, weiterzuentwickeln und zu pflegen, jedoch bedingt oder gegebenenfalls gar nicht möglich ist.
Infolge des beschriebenen Sachverhalts wird die Bereitstellung einer einheitlichen, standardisierten Modellierungsrichtlinie im Kontext der Methode BIM essentiell und notwendig. Die Darlegung eines solchen Dokumentes bietet eine Grundlage für ein einheitliches Verständnis und eine transparente Kommunikation sowie einen Ansatzpunkt für die Verbesserung modellierungsbezogener Prozesse. Die Entwicklung und Bereitstellung über eine neutrale Instanz gewährleistet dabei weitestgehend Produktneutralität sowie die Freiheit von unternehmenseigenen Prozessen. Eine in Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis erarbeitete BIM Modellierungsrichtlinie vereint weiterhin den aktuellen Stand der Technik mit der notwendigen Praxistauglichkeit und bietet dadurch einen Mehrwert für die Wertschöpfungskette Bau sowie die Bauindustrie.

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