Warum wir BIM in der Technischen Gebäudeausrüstung brauchen

Fachbeitrag exklusiv aus GI 2/16: Warum wir BIM in der Technischen Gebäudeausrüstung brauchen

Die Technische Gebäudeausrüstung (TGA) ist ein Gewerk mit vielen verschiedenen Disziplinen, hohem Platzbedarf und komplexen technischen Anforderungen. Nicht ausreichend koordinierte Haustechnik-Gewerke und die daraus resultierende fehlende Abstimmung mit den anderen Gewerken lassen die Kosten durch Änderungen während der Umsetzung häufig explodieren. Ein mittels Building Information Modeling-Methode (BIM-Methode) geplantes und koordiniertes TGA-Modell unterstützt die realistische Einschätzung des Platzbedarfs an kritischen Stellen wie Technikzentralen und Schächten. Korrekt verbundene Systeme lassen eine automatisierte Summierung von Volumen- und Massenströmen zu. Die Fehlerquote sinkt, die Planungssicherheit steigt. Die Planung wird transparent und nachvollziehbar. Ein weiterer, bedeutender Vorteil: Die BIM-Nutzung nach Fertigstellung des Projekts lässt sich ohne großen zusätzlichen Kosten- und Arbeitsaufwand auch auf das Betriebs- und Facility Management ausdehnen.
Autor: Mark Baldwin

1. Einleitung

Ein typisches Bauvorhaben bringt geschätzte 37 % an Materialverschwendung mit sich. Annähernd 27 % aller Projekte leiden unter Planungsfehlern und geschätzte 45 % unter Baumängeln. Die Behebung dieser Mängel vor Ort hat zur Folge, dass 30 % aller Bauvorhaben verspätet und zu höheren Kosten als veranschlagt fertiggestellt werden. Bei komplexen Großprojekten ist das Risiko von Planungsfehlern sowie Kosten- und Zeitüberschreitungen noch deutlich höher. [1]

BIM-basierte Planungs- und Bauprozesse verbessern die Planungsqualität und reduzieren das Projektrisiko immens, weil sie konsequent auf eine frühzeitige Entwurfsoptimierung, automatische Aufdeckung von Planungswidersprüchen (Kollisionserkennung), den Abgleich mit baurechtlichen Bestimmungen, synchronisierte Planung, eine verbesserte Kommunikation und die Etablierung schneller und effizienter digitaler Prozesse setzen.

Wert und Rentabilität von BIM sind gut dokumentiert. Das Center for Integrated Facilities Engineering (CIFE) an der Universität Stanford erstellte 2008 einen Bericht, der die Vorzüge von BIM anhand von 32 Projekten aufzeigt. Wesentliche Ergebnisse dieses Berichts [2] sind:

  • Einsparungen bei außerplanmäßigen Änderungen (bis zu 40 %)
  • Genauere Kostenschätzung (innerhalb 3 % Genauigkeit)
  • Schnellere Kostenschätzung (bis zu 80 % Zeitersparnis)
  • Kosteneinsparungen (bis zu 10 % vom Auftragswert)
  • Zeiteinsparungen (bis zu 7 %)

Eine Fallstudie [3] zeigt auf, in welchen Bereichen Kosten gespart werden. Die vom Generalunternehmer BAM UK in 2011 errichtete First Direct Arena im englischen Leeds wurde mit einem ähnlich umfangreichen „Nicht-BIM“-Projekt verglichen, das BAM drei Jahre zuvor abgeschlossen hatte. Im Vergleich zeigten sich folgende Einsparungen infolge der Anwendung von BIM:

  • mehr als 1.000 automatische Kollisionserkennungen
  • 30 % weniger Planänderungen
  • 9.000 Zeichnungen weniger
  • 15.000 Arbeitsstunden weniger
  • 60.000 Reisemeilen eingespart
  • 8 % weniger Material-Ausschuss

Allein durch das Aufdecken der Kollisionen konnten die Baukosten um 5,8 % reduziert werden.

Quelle und mehr:
www.recknagel-online.de