Interview mit Herrn Mikasinovic, NUCE über Indoor Mapping

nuce-indoor-mapping_bim-events

Interview mit Herrn Milos Mikasinovic, NUCE über Indoor Mapping


BE: Herr Mikasinovic, Sie und Ihr Partner Herr Jungedeitering haben vor etwa einem Jahr ihre Firma NUCE gegründet. Sie agieren im Bereich BIM-Management und Indoor Mapping. Während
BIM-Management mittlerweile doch verstanden wird, kommt der Begriff Indoor Mapping eher selten vor. 
Was verstehen Sie darunter?

Das NUCE Indoor Mapping ermöglicht die digitale Aufnahme eines Gebäudes von bis zu 40.000 m² am Tag. Hierbei werden Panorama Bilder, Punktwolken, WiFi-Signale und Magnetfelder aufgenommen. Wir arbeiten hier sehr stark mit dem Technologiehersteller NavVis zusammen. Die postprocessierten Rohdaten werden in den Indoor Viewer eingearbeitet. Im Indoor Viewer können jetzt die online Daten webbasierend zur Kollaboration genutzt werden. Das bedeutet, wir erstellen einen digitalsierten 3D Abdruck des Bauwerks und somit ein erstes „Bestands“ Modell.

BE: Das Arbeiten im Bestand ist sicherlich eine der zukünftig größten Aufgaben in Deutschland. Wo liegt die Herausforderung aus Ihrer Sicht und an welchen Punkten kann Indoor Mapping ansetzen?

Das Planen im Bestand mit BIM bringt die Herausforderung der Datenerhebungen. Aktuelle Pläne in 2D zu erhalten kann oft ein schwieriges Unterfangen sein. 3D basierende Daten sind eher eine Ausnahme. Der direkte Vorteil des NUCE Indoor Mapping  ist die sehr schnelle Digitalisierung eines Bestandsgebäude bei welchem keinerlei aktuelle Plandaten vorliegen. Hier haben wir an einem unserer Referenzprojekte eine komplette industrielle Fertigungsstraße von ca.28.000m² an einem Tag aufgenommen. Die Abstraktion von 2D Plänen aus der Aufnahme des Indoor Mappings ist eine mögliche Ableitung. Hingegen ist die schnelle Dokumentation des Vorher-Nacher Standes die praktischste Anwendung. Somit haben alle Beteiligten den direkten Vergleich dieser Leistungsstände im Indoor Viewer selber. Hier können wir einen Zeitstrahl in den Indoor Viewer einbauen über diesen die Beteiligten zwischen den verschiedenen Scan Daten live hin- und herspringen können. Das bedeutet, dass alle Panoramabilder sowie Punktwolken direkt über den webbasierten Indoor Viewer online betrachtet werden können. Hier hat sich die Funktion der direkten Messung von Abständen im Indoor Viewer selber als sehr nützlich erwiesen. Besprechungen können dadurch direkten online am selben Scan Modell im Indoor Viewer erfolgen. Somit dient das Kartierungsmodell als Kollaborationsbasis.

Wir gehen besonders an diesem Punkt darüber hinaus und erarbeiten direkte Anknüpfung in verschiedene CAFM-Systemen. Somit haben unsere Kunden die Möglichkeit das Gebäude virtuell zu begehen und alle Informationen zu dem Bauwerk jederzeit und überall über eine Datenbank zur Verfügung zu haben.

nuce-indoor-mapping-2_bim-events

BE: Wie wird Indoor Mapping in den BIM-Prozess eingebunden und findet eine Kommunkation mit dem
BIM-Modell statt? Welche Schnittstellen können genutzt werden?

Wir haben unsere NUCE internen BIM Standards für das Indoor Mapping entwickelt. Dazu sind von unserer Seite Prozesse modelliert worden, die wir in die Ablaufplanung integrieren um eine reibungslose operative Umsetzung liefern zu können. Hier setzen wir in Phase 0 bereits die Meilenstein zur Kartierung für das Indoor Mapping und legen dieses als Grundlage für die Dokumentation fest. Wir nutzen also unsere Form des NUCE Indoor Mappings als ein separates Kontrollwerkzeug für das BIM Management. Das bedeutet wir erstellen über das gesamte Projekt unsere 3D Abdrücke des Gebäudes und haben dadurch eine durchgängige Dokumentation des gesamten Projektes. Unser Ziel ist es dadurch den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerkes zu steuern. Hier gilt die Devise: Was jeder der Projektteilnehmer sieht, das versteht auch jeder in der Kommunikation.

Zur Frage der Schnittstellen haben wir uns auf zwei Hauptthemen konzentriert. Das eine ist die Integration des CAD-Modells im Indoor Viewer selber. Hier gibt es spannende Erkenntnisse aus Testläufen. Es überlagern sich hier zwei Schlüsselmomente in der Planung. Das CAD-Modell aus der ersten Idee des Entwurfes entstanden und bis zu einer soliden 3D Konstruktion ausgearbeitet. Dem gegenüber gestellt die nüchterne Aufnahme eines IST-Zustandes durch das Indoor Mapping. Die Abweichungen von Realität und Absicht kann weit auseinander liegen. Deswegen ist es noch ein Weg zu standardisierten Abläufen zum Nutzen aller Projektbeteiligten, aber ein erster Anfang. Das andere in meinen Augen gewichtigere Hauptthema ist unsere Arbeit an der direkten Integration von IFC an den Indoor Viewer. Hierzu planen wir für unsere Kunden Anfang 2017 eine interne Version für Pilotprojekte zu nutzen. Mein Partner Herr Jungedeitering wird zu diesen Themen einen Vortrag im Februar 2017 auf der INservFM in Frankfurt abhalten.

Ein Live-Beispiel eines Referenzprojektes ist auf unserer Website www.nuce-consutling.de zu finden. Bei weiteren Fragen können Sie mir auch direkt unter mm@nuce-consutling.de schreiben.
Vielen Dank für das Interview.