Digitalisierung, das Fundament für kommende Nachhaltigkeitsgesetze

Digitalisierung, das Fundament für kommende
Nachhaltigkeitsgesetze

Annette von Hagel, Parterin PKS
Ein Beitrag aus der „BIM-Preview 2018

In den Mittelpunkt der Herausforderungen der Bauwirtschaft rückt der immense Bedarf an Rohstoffen. Der bereits vorhandene Mangel an Sand ist exemplarisch für die globale Ressourcennachfrage im Bauwesen. Aber auch die intensive Nutzung seltener Erden, Metalle und Hölzer führt zu einer bereits absehbaren Verknappung. Mehr als 50 % aller Ressourcen werden im Bauwesen verwendet, und eine ebenso große Menge an Bauschutt und Baustellenabfall fällt an, die noch immer nicht ausreichend recycelt wird, wodurch wertvolle Ressourcen verloren gehen.

Die politische Abhängigkeit der EU von den Herkunftsländern und die häufig prekären Verhältnisse der Menschen bei der Gewinnung und Herstellung sowie die in Kauf genommene Zerstörung der Umwelt, sind die Gründe, warum die EU-Kommission hier seit einiger Zeit mit Verordnungen und Richtlinien gezielt gegensteuert.
Die Ressourcen, sind sie erst einmal in der EU, können durch Recycling in Europa wiederverwendet werden. Die EU will die Konkurrenzfähigkeit der Wirtschaft stabilisieren und die Kosten für die Beschaffung von Ressourcen senken.
Der Blick wendet sich von der reinen Betrachtung des Klimawandels und der damit verbundenen wirtschaftlichen Verluste durch Extremwetter auf die gesamte Wertschöpfungskette Bau. Durch Recycling kann ein erheblicher Aufwand an Energie vermieden werden.

In einer Reihe von Richtlinien und Verordnungen versucht die EU, aktiv Recycling von Baustoffen zu befördern. Neben der Vergabeverordnung für öffentliche Baumaßnahmen, der Bauproduktverordnung, der Ökodesign-Verordnung etc., die alle bereits die Recyclingfähigkeit und die Kosten für den Rückbau und die Entsorgung berücksichtigen, hat die EU-Kommission Ende 2016 eine Expertengruppe zur nachhaltigen Finanzierung eingerichtet. Im Zwischenbericht werden Wege, zur Unterstützung einer ressourceneffizienteren Kreislaufwirtschaft im Bauwesen aufgezeigt. Die Umsetzung kann so in den kommenden Jahren greifen.
Ebenfalls begrenzt sind die Deponie-Kapazitäten in Deutschland, sie stehen mittlerweile nur noch sehr begrenzt zur Verfügung. Neue Deponien werden nicht mehr ausgewiesen. 95% des Bauschutts, ausgenommen gefährliche Bauabfälle, muss künftig recycelt werden. Auch dies gilt für die gesamte EU.
Eines ist sicher, es werden weitere Maßnahmen folgen.

Aber was wurde wo verbaut? Das ist in der Regel nicht bekannt. Eine aussagefähige Dokumentation ist nicht vorhanden. Obwohl sie seit Jahren in allen Bewertungssystemen Nachhaltiges Bauen (BNB, DGNG, BNK) gefordert wird.
Dokumentation über den gesamten Lebenszyklus und die Methode BIM (Building Information Modeling) sind die zentralen Handlungsfelder. Der digitale Zwilling muss alle Daten erfassen, die sich auf die im Gebäude verbauten Stoffe beziehen, sämtliche recycling- und rückbaurelevanten Informationen in das Datenmanagement einzubeziehen, um nach Ablauf der Nutzungsphase oder im Rahmen von Umbaumaßnahmen einen hochwertigen Recyclingprozess zu ermöglichen. Ziel ist, dass für jedes Bauwerk ein Gebäude-Ressourcenpass eingeführt wird, der die Rückführung verbauter Materialien in einen geschlossenen Stoffkreislauf auf hohem Qualitätsniveau erleichtert. Es wird sich zukünftig erheblich auf die Kosten der Baumaßnahmen auswirken.

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